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Moses Pelham

Von Herzen für das Herz

11.08.2017 Moses Pelham tut auf seinem neuen Album "Herz" das, was Moses Pelham eben tut: sein Herz ausschütten, sein Herz öffnen, sich öffnen. In "Ultra" auf seinem letzten Album formulierte der Frankfurter Künstler, der schreibt, komponiert und produziert, es noch so: "Ich öffne mich zugunsten Deines Lebens wie ein Fallschirm."

Bekannte Sprache, neuer Sound

Die Sprache auf "Herz" ist die von "Geteiltes Leid 3", der Vollendung Pelhams "Geteiltes Leid"-Trilogie aus dem Jahre 2012, dem Album, mit dem Pelham hörbar erwachsen und vernünftig wurde und der kompetitiven Jugendkultur, aus der seine Kunstform stammt, entwuchs. Aber die Musik auf "Herz" ist eine neue. Reduzierter, ohne Live Drums, dafür mit 909-Bass Drums und teils aufwendiger Bearbeitungstüftelei. Etwas elektronischer und doch organisch, immer noch mit Celli und ein paar Gitarren, mal getragen, mal ballernd.

Auf "Herz" ist weniger Gesang, was verwundert, hat Pelham, dessen letzte Produktionen "Nicht von dieser Welt 2" von Xavier Naidoo und "Kraft" von seiner Band GLASHAUS sind, doch Zugang zu den besten Stimmen Deutschlands wie kein anderer. Aber natürlich ist man an den Stellen, an denen sie nun auftauchen, viel dankbarer, als man es bei den oftmals fast zu dichten früheren Produktionen Pelhams war. Offener und klarer ist der Sound. Aber immer noch episch. Dies sind keine Lieder, dies sind Hymnen. Von Mensch zu Mensch. Über und für das Leben. Von Herzen für das Herz. Aber ohne den Verstand eines Erwachsenen zu beleidigen. 

Die Songs von "Herz" im Überblick

Der große Frankfurter Johann Wolfgang Goethe formulierte einst: "Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll." Das muss der Leitsatz Pelhams Dichtung sein. Im Vorboten von "Herz", dem rührenden "You remember", einer Reminiszenz an die Anfangszeiten Pelhams, die alten Wegbegleitern Wasser in die Augen steigen lässt, heißt es: "Bitte gib mir Zettel und Stift, Homie, Gott diktiert mir gerade, da is´ Rettung in Sicht.

Das die letzten Worte Goethes zitierende "Mehr Licht" beschäftigt sich erneut mit dem Weg aus der Dunkelheit und gelangt zu dem Schluss "Das Paradies ist gar kein Ort, sondern ein Zustand, mit mehr Licht." "Aus dem Refugium" beschreibt Pelhams Situation als Autor. In dem Aufruf sich zu erheben und endlich aufzustehen, "An alle Engel", brilliert auch Pelhams GLASHAUS-Mitstreiterin Cassandra Steen in voller Blüte. Das alle Dämme brechende "Meine Heimat" begeisterte bereits vor Veröffentlichung des Albums Menschen weit über die Zuschauer der Sendung "Sing meinen Song – Das Tauschkonzert" hinaus. "Wir sind eins (Sagt ihr)", das letzte Stück der Platte, auf dem (some more of that shit you thought would never happen!) Michael Patrick Kelly singt, ist ein tiefes, ergreifendes Liebeslied, wie es im Rap selten ist.

"Neubeginn", der Opener des Albums, ist das einzige Stück, das noch durch raptypische Selbstdefinition über formulierte Abgrenzung zum Rest funktioniert. Ansonsten beschäftigt sich Moses Pelham, der mit seinem Rödelheim Hartreim Projekt 1993 ernsthaften Rap in Deutschland mitbegründete, nahezu ausschließlich mit dem Leben und verhält sich eher wie ein Singer-Songwriter, dessen Mittel eben Rap ist.

Man hat das Gefühl, dass Pelham angekommen sein könnte. Im Herzen.

 

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