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Biographie

Wo drei Länder auf einander treffen wird das in hiesigen Breiten gerne ?Dreiländereck?
genannt. Schnittpunkte zwischen Sprachen, Kulturen die zu kleinen Schmelztiegelchen
werden wo das eine in das andere überläuft. Grenzen verschwimmen, man wird dem
?d?rübigen? gegenüber toleranter weil in einem selbst auch ein Stückchen davon steckt. Jedes
Lied der Seer ist so ein Schmelztiegel. Textlich inhaltlich genauso wie musikalisch und da
eine CD kein Eck ist sondern seit der Schellack Musik physisch auf Rundem gespeichert
wird, ist die neue CD der Seer somit ein musikalisches ?Dreiländerrund? welches es zu
entdecken gilt. Na dann, nur zu.

?1 Tag? ? die 11. CD der Seer und ? so viel sei bereits an dieser Stelle vorausgeschickt ? die
logische Fortführung der vorhergegangenen zehn Alben. Es werden keine überhitzten
Kapriolen geschlagen, die Band ist in jedem Lied sofort nach den ersten Akkorden wieder zu
erkennen. Gott sei Dank ? möchte man da rufen. Der ?Ober-Seer? Fred Jaklitsch ist seinen
Weg kontinuierlich weiter gegangen und solch blöden Phrasen wie ?der Schnelle frisst den
Langsamen? oder gar das unsinnige ?Stillstand ist Rückschritt? nicht auf den Leim gegangen.
Das war auch nicht zu erwarten, denn dazu ruht der Mann mit dem was er tut viel zu sehr in
sich selbst. Phrasen wie die oben angeführten stammen aus einer anderen Welt. Eine, die sich
Quartalen und Zahlen, Berichten und Ergebnissen unterwirft. Heuschreckenzirkus.
Eine Zeit die sich selbst zu überholen droht, die jene, denen die Kraft fehlt mitzulaufen,
gnadenlos zurücklässt. Grausam wie im Märchen. Die Guten ins Töpfchen?

Aber machen wir doch einfach den Schritt zurück. Die ?Seer? kommen aus dem
Salzkammergut. Eine von Bergen umschlossene Seenwelt die sich nur über Passstrassen oder
den Fluss erreichen lässt. Hier wird die Zeit in Jahrmillionen gerechnet. Das Salz welches aus
dem Berg geholt wird ist älter als alles andere, die Seen mit ihren am Grund fest gehaltenen
Geheimnissen liegen still und dunkel seit ebenso langer Zeit im Talboden. Hier ist Zeit
relativ, sie wird nicht in Stunden und Minuten gemessen sondern in Empfindungen.
?Heut geht?s mir gut? oder ?mir ist es schon besser gegangen?. Wie lange die Empfindung
dauert kann nicht in Einheiten gemessen werden. Punkt. Schmeißt eure Uhren in den See,
wenn ihr hier her kommt.
Die Menschen aus dem Salzkammergut sind ihrer Heimat sehr ähnlich. Zum Teil
unterschiedlich wie die Gesteinschichten der Berge die sie umgeben, eher schroff statt
aalglatt, dem Traditionellen mehr verbunden als dem Fortschritt auf Druck.
Das Salzkammergut ist so auch zum Rast- und Lebensplatz vieler Künstler und Intellektueller
geworden. Fährt die Zeit mit ihren Stürmen durch das Leben, so lässt sich schlecht denken
und noch schlechter kreativ arbeiten. Gerade die Musikindustrie ist das Paradebeispiel dafür,
wie wenig Shareholder Value und Musik zusammen passen. Das eine braucht seine Zeit um
wachsen zu können, das andere misst Zeit in Quartalen und Zwischenbilanzen. Wenig Chance
für Dreiländerrund. Das geht nur, wenn der Erfolg den Freiraum schafft sich zu erlauben zu
tun was man will?

Bei den Seern ist das so! Das zeigt die Vergangenheit, die Ergebnisse in den Charts, die Zahl
der Gold- und Platinauszeichnungen.
Die Seer sind eine der wenigen Musikgruppen die erkannt haben, dass die Entschleunigung
des Lebens, zumindest dann wenn es für den Zuhörer heißt sich in der Musik der Gruppe
wieder zu finden, das eigentliche Erfolgsgeheimnis ist. Ihre Lieder sind keine
Mitnahmeartikel, einfach so zum Drüberstreuen. Man muss stehen bleiben, in die Texte
hineinhören um zu entdecken, dass darin kleine, klare Erinnerungen zu finden sind.
Erinnerungen die jeder für sich auch selbst schon erkannt hat. ?Seenland Seelenland? ? das
Eröffnungslied auf der CD weist den Weg. Es geht um Freundschaft, um Partnerschaft, um
das ?nicht alleine sein?. Alleine das Wort ?Seelenland? beinhaltet sehr viel Ruhe, Frieden,
Stillstand zur Einkehr. Der Titelsong ?1 Tag?, der eigentlich auch ?du gehst mir durch und
durch bis in die Fingerspitzen? heißen könnte, transportiert diese kribbelige Form der
Harmonie, die dann am schönsten sichtbar wird, wenn im Konzert die Leut? sich umarmen,
einander möglicherweise so nahe sind wie sie es viele Wochen zuvor nicht mehr waren und
im Rhythmus der Balladen sich langsam gemeinsam bewegen?
Es gibt auf dieser CD derer Beispiele vieler. ?Tuat Guat? ? ein völlig unkitschiges
Freundschaftslied. ?Es tut gut dich wieder zu sehen?, ein ehrliche Aussage, am Tisch gelegt
wie eine schriftliche Bestätigung, dass man den anderen auf seine Art einfach mag.
Und genau das ist die Stärke des Komponisten und Texters Fred Jaklitsch. Er bringt durch
seine Lieder die Leut? dazu für einen Moment aus der Rennbahn des Lebens zu steigen. Inne
zu halten. Entschleunigung. Den Moment der Musik zu genießen. Handbremse rein, Gang
raus mit der klaren Ansage: Macht?s was ihr wollt?s aber lasst?s mich in Ruhe? i hör jetzt die
Seer!
Und da ist egal von wo die Musik kommt. Ob vom Schallträger oder von der Bühne.
Es funktioniert wie kleine Post It-Zettel, die sich dann an der Seele der Zuhörer festkleben
und wo drauf steht ?bitte nicht stören? und da erst wieder runterfallen, wenn die Auszeit, die
einem diese Lieder ermöglichen, mit dem Schlussakkord endet.

Innehalten soll ein Rückschritt sein? Vielleicht in der Wall Street. Von mir aus, aber nicht da
in der Heimat der Seer. Der Berg steht dort wo er schon immer gestanden ist und der See liegt
dort wo er nach der Eiszeit sich als Schmelzwasser gesammelt hat. Seerisch eben. Von der
ersten bis zur elften CD. Vom ersten bis zum elften Cover. Musikalisches Dreiländerrund.
Gut wie in der Lagerung zur Blüte gereifter Rotwein.

Sollte der Seer-Fred jemals auf die irrwitzige Idee kommen das dramatisch ändern zu wollen,
dann wird es da nicht wenige geben die ihn fragen werden ob er sich ?noch richtig g?spürt??
Dann schmeißen´s ihn raus aus dem Salzkammergut. Zu Recht! Und nach nur ?1 Tag? wäre
er wieder zurück, mit Sicherheit!

06/2007

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