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Biographie

Manche seiner Lieder sind Allgemeingut. Wenn etwa im sommerlichen Schwimmbad ein aufgeblasener Gockel an ein paar jungen Mädels vorbei stolziert, trällern die garantiert "Oben ohne" oder auch "Macho, Macho". Und wenn in der Mucki-Bude einem Spargeltarzan die Hantel auf den Fuss fällt, intonieren seine Trainings-Kameraden "Es lebe der Sport". Schon hat jeder die Stimme von Rainhard Fendrich im Ohr. Rainhard Fendrich: Sänger, Liedermacher, Musical-Komponist, Schauspieler, TV-Moderator. Entertainer. Einer der Grossen. Vor zweiwahren wurde der 49-Jährige in seiner Heimat Österreich zum "Besten Entertainer des Jahrzehnts" gewählt. Eine Auszeichnung, die im gesamten deutschen Sprachraum gelten dürfte.

Es scheint alles glatt gelaufen zu sein im Leben des 1955 in Wien geborenen Künstlers. Mit 25 Jahren die erste LP. Drei Jahre später Platin. Fendrich tourt durch Österreich und steht, neben allem musikalischen Engagement, auch als Schauspieler auf den Brettern: Er spielt in Klassikern wie "Hamlet", in Musicals wie "Jesus Christ Superstar" und übernimmt Rollen in Fernsehfilmen. 1985 geht er auf Tournee durch Österreich, Deutschland, Italien und die Schweiz. Mit Erfolg: Sein Humor und sein Sprachwitz, seine lakonischen Songs über Spiesser und Spinner, Lover und Loser kommen an. Titel der Debüt-LP: "Ich wollte nie einer von denen sein." Der Sänger kassiert mehrfach Gold und Platin für seine LPs, er wird als bester Komponist mit dem Pop-Amadeus geehrt. Fendrich berührt etwas bei den Leuten. Weil auch seine Poesie volksnah ist und lebenstauglich. So heisst eines seiner schönsten Liebeslieder "Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk".

Insgesamt dreimal bekommt er den österreichischen Preis "Romy" für den besten Showmaster. Dieses Talent ist es auch, mit dem er 1993 als Nachfolger von Rudi Carrell der deutschen Fernseh-Show "Herzblatt" ein neues, junges Image gibt. Fendrich, jetzt 38, macht die Kuppel- Schmonzette zum Kult. Entertainment. 1997 holt er sich Georg Danzer und Wolfgang Ambros auf die Bühne. Als Austria 3 geben sie im Theater an der Wien ein Konzert zugunsten Obdachloser - das Event spielt 2,5 Millionen Schilling ein. Die drei Musiker setzen diese Zusammenarbeit fort. 2000 schreibt Fendrich sein Musical "Wake Up", das am 21. September 2002 im Wiener Raimundtheater uraufgeführt wird. Quasi zwischendurch singt, moderiert und schauspielert der Künstler. Und heiratet, bekommt zwei Söhne. Sein Leben ist das, was die Gazetten eine Bilderbuch-Karriere nennen.

Und doch: "Ich hab immer meine Schulkollegen bewundert, die ab der dritten Mittelschulklasse gewusst haben, was sie werden sollen. Ich hätte mich so gerne festgelegt. Ich hab's aber nicht machen können, weil ich so vieles machen wollte in diesem Leben", sagt Fendrich. Er, der überzeugend den charmanten Wiener gibt, guckte immer schon hinter die menschlichen Kulissen. Als Abiturient setzte er sich intensiv mit Friedrich Dürrenmatt auseinander. Was er mit dem grossen Dramatiker nicht teilt, ist dessen Bitternis. Was er gemein hat mit ihm, ist der Wunsch nach Wahrhaftigkeit. "Ich will keine Lebenslügen", sagt Rainhard Fendrich. Dazu gehört auch die Bilanz seiner kürzlich gescheiterten Ehe. Entgegen spektakulärer Klatschpresse-Berichte ging da schlicht eine Liebe entzwei.

"Ich hab' den Mut gehabt, zuzugeben, dass ich für meine Frau nicht mehr attraktiv war", so Fendrich offen. Diese Aufrichtigkeit sucht er auch auf der Bühne. Als er Anfang dieses Jahres auf dem Münchner Chrysanthemenball spielte, ging es weniger um die Romantik als mehr um das Honorar, wie Fendrich lakonisch feststellte. Er ist keiner, der sich verbiegt. Und sang vor der illustren Gesellschaft, die sich gern für die bayerische Antwort auf den Wiener Opernball hält, auch "Mir san die Haute Voilée". Das Publikum war begeistert - und sang lachend mit. Das schätzen die Leute an ihm: Der Fendrich ist ironisch, aber kein Zyniker. Er macht eine gute Show. Aber er zieht keine Show ab.

Zum Überwintern und zum Atemholen hatte sich Rainhard Fendrich in seine Finca auf Mallorca zurück gezogen. Zwischen Schafen und Eseln suchte er, der extrovertierte, umjubelte Entertainer, die Einsamkeit und den Blick nach innen. Frieden. Nun meldet er sich mit seiner neuen CD zurück. "auf LEBEN" ist vielleicht seine Ehrlichste. "Ich möchte, dass mir die Leute zuhören", sagt Rainhard Fendrich. Das werden sie tun. Und einmal mehr das ein oder andere Lied zum Allgemeingut machen.

(Christiane Pütter)

04 - 2004

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