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Biographie

Irgendwo in den Untiefen von Youtube gab es mal einen privaten Youtube-Account namens «mimiks1991». Auf einen Kommentar unter einem der ersten Mimiks-Videos mit gefühlt maximal 20'000 Views, in dem irgendein Internettroll die Kleidung des damals 21-Jährigen kritisierte, antwortete dieser «mimiks1991»: «Chauf mis Album, de chani mer neui Chleider chaufe...».
Das war 2012, kurz nach Release von Mimiks' erstem grösseren Werk, dem berühmten Mixtape «Jong & Hässig». Inzwischen schreiben wir 2020, und nichts ist mehr so, wie das damals war: Der Account «mimiks1991» ist inzwischen ein hochoffizieller VEVO Account, ein Mimiks-Video verzeichnet heute am ersten Tag locker 20'000 Views, und die Kommentare der Internettrolle sind deutlich seltener und leiser geworden Kein Wunder: Seit «Jong & Hässig» hat Mimiks drei Überfliegeralben veröffentlicht («Vodkazombierambogang» 2014, «C.R.A.C.K.» 2016, «Jong & Hässig Reloaded» 2017), ist damit zweimal auf der #1 und einmal auf der #2 der Schweizer Hitparade gechartet, hat jede grosse Bühne des Landes bespielt und hat mehrmals die Open Air Frauenfeld Mainstage nach allen Regeln der Kunst zerlegt. In Sachen Youtube-Klicks und Spotify-Streams produziert Mimiks für Schweizer Verhältnisse inzwischen Zahlen, als wäre er ein motivierter Mathematiker an der ETH. Und so manch ein Experte fragt sich deshalb - wo und wie soll, ja kann das weitergehen? Gibt es höhere Weihen? Gibt es überhaupt noch mehr zu holen? Und wenn ja: wie? Und wenn nein: warum?
Diese wegweisenden Fragen, die sich ein inzwischen gestandener Künstler überhaupt stellen kann, aber die er sich an einem bestimmten Punkt auch stellen muss, stellte sich Mimiks auch selbst. Alles war schon gesagt und erzählt, der Hunger war genügend ausgedrückt, die Auszeichnungen und Preise waren eingeheimst. Was also sollten die neuen Songs erzählen? Wohin sollen sie führen, was sollen sie dem Hörer mitgeben? Und, noch viel wichtiger, wie sollen sie denn klingen?
Schwierige Fragen, mit denen sich Mimiks in den letzten zweieinhalb Jahren mehr als einmal intensiv auseinandergesetzt hat. Denn nicht alles ist anders als damals zu Zeiten des Youtube-Accounts «mimiks1991»: Noch immer lässt sich von dieser Musik kaum leben (und noch immer braucht man Albumkäufe für neue Kleider, nur, leider kauft 2020 ja gar niemand mehr Alben...), und noch immer führt der Weg in die ganz hohen Ränge der Schweizer Musik nur über den Weg der Popmusik, und noch immer ist es schwierig, sich selbst in dieser automatisch leicht photoshoppierten Welt von Schweizer Stars und Sternchen zurecht zu finden, wenn man am Ende des Tages doch eigentlich nur eines möchte, nämlich gute Geschichten auf harten Beats erzählen. Und alleine diese Frage zu beantworten, nämlich wohin will man, und was ist möglich, wenn man dahin nicht will, das dauerte einige Monate. Und das Resultat davon ist Mimiks' neuestes Werk, welches schon im Titel impliziert, dass man die Konsequenzen des Wegs, den man sich entschieden hat zu gehen, akzeptiert hat: «Für immer niemer». Dann bleibt es halt, wie es ist. Nur noch besser.
«Für immer niemer» ist ein Werk, das den Weg, den Mimiks gegangen ist, vom Stellen der oben erwähnten Fragen bis zur Antwort auf diese, auf eindrückliche Art und Weise mitzeichnet. Zum Grossteil produziert von Henrik «HSA» Amschler (der mit einer Ausnahme für alle Beats auf dem Album verantwortlich zeichnet), zeigt das Album einen reifen, im Leben stehenden Mimiks, der - ohne seine Wurzeln zu verlassen - seine Songs sowohl musikalisch als auch textlich seinem aktuellen Dasein anzupassen vermag. Während das Intro «41» in raptypischer Manier die Fanfaren auffährt und Young Mimi darauf dem Publikum einige Verbalschellen mitgibt, ist «Oh Mama» eine Hommage ans Erwachsenwerden und ans Erwachsensein, auch wenn man sich evtl. nicht oder noch nicht so fühlt. Während «Mach Ned So» feat. Effe & LCone jeden Partykessel, von Lloret bis Langnau, zum Scheppern bringt, ist J & B eine kritische Analyse einer medial durchaus bekannten vergangenen Liebesbeziehung des Künstlers. Das klingt gereifter, das klingt durchdachter, aber das klingt nicht so, als würde man 2020 darauf verzichten, harten Rap mit Ansage zu machen und den sich in musikalische Ausweichmanöver rettenden Mitstreitern anzuzeigen, wer hier die Krone trägt.
«Für immer niemer» ist wohl Mimiks deepstes Werk, aber es verrät die Wurzeln des Künstlers sicherlich nicht. Eher ist es der nächste Schritt in der logischen und natürlichen Entwicklung eines jungen Mannes, der mit seiner Musik bereits alles erreicht hat, was es zu erreichen gibt. Eines Künstlers, der sich fragt, was es denn noch weiteres zu erreichen gäbe. Aber auch eines Rappers, der am Ende des Tages immer noch Rapper sein will und ist und bleibt. Und der dafür auch zur Not «Für immer niemer» bleibt. Womit wir wieder beim Anfang wären, denn: gewisse Sachen ändern sich nie. Auch wenn es den Youtube-Account mimiks1991 heute nicht mehr gibt.

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