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Biographie

INGO APPELT - BIOGRAFIE

Warum wollen Fans ihre Stars immer als Hosenscheißer und mit Schultüten sehen? Warum interssieren sie unsere schlechten Schulnoten, unsere ersten Achselnässen mit ersten Freundinnen beim Abschlussball und die Tatsache, dass wir in den Siebzigern Schlaghosen trugen, aber nur weil es nichts anderes gab, und nicht weil es trendy war?
Als ich mich aus dem Mutterleib in die Welt aufmachte um erstmal 'ne Runde Windeln vollzumachen und mich bedienen zu lassen heiratete Elvis Presley seine Priscilla und Pierre Brice erholte sich vom "Old Firehand"-Dreh. Kurt Cobain und Kai Pflaume wurden ebenfalls in Pampers gebettet und Konrad Adenauer gab den Löffel ab.
Wer sich vor diesem tragischen Hintergrund immer noch für mein Heranwachsen interessiert, na gut, der darf jetzt hier weiterklicken.
Ich erblickte 1967 das Licht der Welt in der Essener Uniklinik. Meine Schulzeit verlief eigentlich recht normal. Ich war lediglich ziemlich aufmüpfig und frech - aber sind das nicht alle sehr schüchternen Schüler? Der Ruhrpott tat das Seinige dazu, diese meine Charakterzüge zu formen.
Unvermeidlich wuchs ich heran, fügte meinem Charakter das Merkmal einer ziemlich faulen Socke hinzu und verließ konsequenterweise nach der 9. Klasse die Würzburger Hauptschule. Ich wollte Karriere machen - Berufswunsch: Konditor oder so.
Lehrstellen waren knapp, und so überzeugte man mich davon, dass eine abgeschlossene Lehre als Maschinenschlosser für aufmüpfige faule Socken der entscheidende nächste Schritt auf der Karriereleiter sei.
Bei Siemens bekam ich meine erste Lohntüte, allerdings wollten die Leute doch tatsächlich, dass ich dafür arbeite.
Da Arbeit und Karriere aber nichts miteinander zu tun haben, ließ mich schleunigst zum Jugendvertreter der IG Metall wählen. Ideale Karrierebedingungen: Das Tagwerk bestand darin, sich vom Arbeiten zu drücken und im Namen der Arbeitnehmerschaft rumzustänkern - kurzum: ich wurde Comedian.
So langsam ging's dann auch so richtig professionell mit der Spaßmacher-Karriere los: anfänglich in der Betriebskantine, Ende der 80er vermehrt auch am Rande von Gewerkschaftsveranstaltungen.
1990 kam dann das erste große Engagement: Kein anderer Parodist hatte Zeit, so wurde ich (man nannte mich in Comedy-Fachkreisen damals schon "der kleine Ingo") für die Bundestags-Wahlkampftournee "Stimmen für Oskar" engagiert; Ihr erinnert Euch - Oskar Lafontaine: Der Politiker, der ein paar Wochen Finanzminister war, um dafür dann lebenslang eine fette Rente einzustreichen und aus der Politik zu verschwinden - super Karriere, Hut ab. Ein Vorbild.
Es folgte der Zivildienst mit weiteren Auftritten nebenher, bis ich dann ab 1993 voll durchstarten konnte: Beim Köln Comedy Festival 1993 wurde ich als Neuentdeckung und/oder Geheimtipp herumgereicht, 1994 erlaubte man mir durch ganz Deutschland zu tingeln - Bedingung: Ich mußte eine Autogrammkarte ertragen (siehe links), auf der ich aussah wie der frühe Hape Kerkeling auf Hafturlaub. Sowas lehrt Demut.
Wie schon Elvis Presley bewies, der nach seinem Militärdienst nur noch in Tuckenkostümen auftrat und ziemlich in die Breite ging, passt auch das Soldatentum nicht mit einer richtigen Karriere zusammen. Ich machte also Zivildienst. Nebenbei trat ich weiter auf - bis ich dann voll durchstarten konnte: Durch die Ernennung zum Geheimtipp beim Köln Comedy Festival 1993 kannten mich jetzt mehr Leute, als in der Zivi-Zeit je meine berühmten Bingo-Abende im Altenheim besucht hatten. Toll.
So tingelte ich ab 1994 ohne Pause durch ganz Deutschland. Hartnäckigkeit zahlt sich aus: Schon 1997 vervielfachte sich die Zuschauerzahl meiner Bühnenshow: wo sonst eine Handvoll Leute kamen, gab's jetzt Handgemenge vor ausverkauften Häusern. Jetzt verdiente die "Abräumer-Tour" ihren Namen: Bereits Mitte des Jahres hängte ich Udo Jürgens ab, der es mit fast 66 Jahren in diesem Jahr nur auf 75 Gigs schaffte.
Richtig ab ging´s dann mit dem Erscheinen der CD, die so hieß wie die Tour: "Der Abräumer": Ein halbes Jahr hielt sie sich in den deutschen Longplaycharts und brachte mir 1998 die "Echo"-Nominierung. Ich moderierte die TV-Gala des "Köln Comedy Festivals", wurde gern und häufig geladener Gast beim "Quatsch Comedy Club" auf Pro Sieben, ich talkte bei "Beckmann" und in der NDR-Talkshow. Mit dem Silberling "Die Feuchte Seite (oder: was Sie nie über Sex wissen wollten)" erschien meine zweite CD, mit der ich 1999 wieder für den Echo nominiert wurde.
Und es wurde weiter getourt: Rund 100.000 Leute haben den "Abräumer" allein 1998 gesehen, 1999 erfreute ich 120.000 Fans in 85 Städten mit der "Wet Side Tour". Als supporting act (Englisch für "Hauptattraktion") der letzten Tour von Westernhagen heizte ich im Sommer 1999 insgesamt 750.000 Zuschauern ein. Auch in 2000 war ich in über 60 Städten live zu erleben. Die Karriere war da - ab jetzt ging es darum. die Nation aus der Krise zu führen, kurz: der Retter der Nation zu werden!
Ganz wichtig: Um als Retter der Nation durchzugehen muss jemand der auf dem Höhepunkt zu stehen scheint, mal ganz tief fallen. Am geeignetesten zu diesem Zweck erweist sich immer wieder die eigene TV-Show. Also startete ich am Donnerstag, dem 14. September 2000, um 22.15 mit meiner ersten, eigenen, seriellen TV-Show auf Pro Sieben. Ich wies den Weg durch den alltäglichen Wahnsinn in der Beziehung zwischen Männern und Frauen. Ich bewegte wirklich etwas - der Beweis: nach 12 Folgen wurde meine Show abgesetzt.
Jetzt war ich am Ziel: ich war ganz oben und ganz unten gewesen. Ich verstand alle Seiten der Medaille. Ich war bereit, die Nation zu retten.
Ich ruhte mich aber nicht auf meinen Lorbeeren aus. Stattdessen bereitete ich damit eine schmackhafte Paella zu, das Rezept schicke ich Euch gerne auf Anfrage.
Nein, ich blieb am Ball. 2001 war ich einer der Ersten, die satirische Worte zu den Attentaten in den USA fanden. 2002 war das Jahr der Rückkehr ins Fernsehen und in die Live-Arenen, und nach drei Jahren Tournee ist offensichtlich: Deutschland braucht Wegweisung, einen Retter. Bei "Wer wird Millionär" oder durch eine Gastrolle in GZSZ kommt heute jeder im Nullkommanix groß raus, aber können unsere Stars uns retten? Nein. Aber nur die ruhe - Vom Facharbeiter zum Fickenschild, vom Geheimtipp zu "Geh heim, Ingo!" - ich kenne das Rüstzeug. Drum: Deutschland, bleib gelassen - hier kommt Dein Retter, der Retter der Nation - jetzt auch bei "5 gegen 100" und bei RTL Freitag Nacht News!
10/2008

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